Punk im Pott 2013, Tag 1 (27.12.2013)

von AlterVerwalter

Na klar! „Das Fest nach dem Fest“, verspricht uns die Werbung. Alleine der Begriff „Werbung“ sagt uns ja schon, dass es hier einzig und alleine darum geht, den Kiddies ihr teuer erschenktes Weihnachtsgeld wieder aus den Taschen zu ziehen. Obwohl das „Punk im Pott“ doch eigentlich doch wieder nur ein Manifest des Spießbürgertums darstellt. Geschickt zwischen den Weihnachtsfeiertagen und Silvester gelegen, damit Schüler und Arbeiterklasse gleichwohl Zeit haben, nachdem sie vorher im Kreise ihrer Verwandten dem christlichen Weihnachtsfest gefröhnt haben.
Bei all dem Protest gegen herrschende Gesellschaftsnormen ist den Veranstaltern selbstverständlich daran gelegen, die eigenen Besucher ja nicht in Kontakt mit „Normalbürgern“ kommen zu lassen. Es könnte sich ja jemand beschweren! Ohgott, und das wollen wir ja nicht. Brav kuschen vor den Obrigkeiten, ein Shuttlebus soll die schwankenden Punks gen Halle bringen. Ein armseliges Subjekt nimmt dies direkt zum Anlass, mal auszuprobieren, ob der Notfallhammer auch funktioniert. Und er schlägt die Scheibe ein. Soll DAS Protest sein? Gegen was? Früher hat man sich wenigstens noch mit Nazis oder zumindest Bullen geprügelt, heute müssen wehrlose Transportmittel daran glauben. Transportmittel, die einen zum Ziel der Reise bringen sollen.

Turbinenhalle, angekommen, alles ekelhaft. Der Parkplatz ist matschig, man weiß nicht ob das vom Regen kommt oder von den wandelnden Alkoholleichen, die hier mit Kotze besudelt über den Boden torkeln. Die einzigen, die noch gerade stehen können, sind die Unmengen an Pfandsammlern mit ihren großfasrigen Ikea-Tüten und Einkaufswagen.

Aber wir sind ja wegen der Musik hier.
JOHNNIE ROOK sind die erste Band. Stumpfe Musik die als einzige Emotion die geradezu ekelhaft gute Laune der Sängerin vorzuweisen hat. Und sowas nennt man heutzutage Punkrock.
ROGERS. Keine Ahnung ob ihre Vorbilder DIE TOTEN HOSEN, BROILERS oder BÖHSE ONKELZ heißen, aber die Musik ist ähnlich nichtssagend. Kotz.
MARIONETZ, wenigstens mal eine Band die noch den Spirit von „früher“ im Blut hat – stopp! Im Blut haben sollte. Was Sigi Pop und seine zusammen gecastete Ösi-Truppe da servieren, schmeckt eher nach aufgekochtem Kaffee als nach den Pogo-Eskapaden der Achtziger.
WILDE ZEITEN. Schreiend renne ich raus. Jetzt verstehe ich, warum hier alle nur noch saufen, das ist ja nicht auszuhalten ohne mindestens 3 Promille!
BOSKOPS. Schon wieder so eine Legende, angetreten um ihr eigenes Erbe zu vernichten. Langweilig und ohne Leidenschaft. Setzen, sechs.
DRITTE WAHL. Die hätten sich vor 20 Jahren auflösen sollen. Mit Keyboard und Stadionrock gewinnt man keine Straßenschlacht.
RANTANPLAN. Ska war schon immer ein Ekzem am Arsch des Punkrock. Da bekommt man schlechte Laune.
TROOPERS. Großer Stiernacken-Sänger und einfallslose Oi-Mucke. Ich hab nie verstanden, warum um die Band so ein Kult gemacht wird.
LOS FASTIDIOS. Jedes Lied klingt gleich. Kein Wunder, dass sich die Halle spürbar geleert hat.
FARBENLEHRE. Polenpunk mit zu vielen Experimenten, um auch nur irgendwie fesseln zu können. Schrecklich.
SCHMEISIG. Leute, ist das euer Ernst? Countrybarden versuchen, einen auf Punk zu machen, indem sie Metalsongs covern. Ganz ganz schlechte Idee.

Soweit der erste Tag Punk im Pott. Das soll es also sein, was zeitgenössischer Punk zu bieten hat? Wollen wir hoffen, dass der nächste Tag besser wird. Jetzt erstmal zurück ins Hotel.

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