Oma Hans im Gebäude 9 zu Köln // 20.02.2014

von doktordoof

Oma%20HansTrümmer Booking teilt mit: „Nein, es wird keine OMA HANS-Reunion geben! Diese 3 Konzerte sind eine einmalige Angelegenheit.“ Tja okay, ich sag mal so: ZUM GLÜCK! Verdammt, was war das wieder für eine bodenlose Frechheit gestern im Gebäude 9. Aber ich lass die Ereignisse mal der Chronologie nach Revue passieren. Ich fing morgens schon an zu kotzen. Ob das jetzt an dem vorherigen Abend vor dem Bachelor oder an der Tatsache, das sich die Greisen von Oma Hans des lieben Geldes wegen noch einmal bitten lassen, lag, sei mal dahin gestellt. Schön immer einen auf AntiAnti machen und dann so eine Scheisze. Ich mein von SLIME darf man ja gewohnt sein, die ab und an mal beim McDonalds frühstücken zu sehen, aber Rachut? Meine Fresse, dieser übertrieben miese Troll. Er weisz doch selbst was er ist. Also wie dem auch sei. Schnell eine Aspirin Complex Ladung verpasst und auf nach Köln ins Gebäude 9. Meine Wegbegleiter vollends begeistert, schon VOR dem eigentlichen Konzertbeginn. Na wenn da mal niemand bitter auf die Schnauze fliegt heute Abend. Wie kann man sich denn vor einem Konzert darauf freuen? Also ich als Mann von der Basis will erstmal was sehen für mein Geld. Am Laden angekommen stellen wir fest, das noch massig Karten an der Abendkasse zu haben sind. Haha, hat sich der Jens wohl bisschen überschätzt. KEIN SCHWEIN INTRESSIERT SICH MEHR FÜR ROTWEINTRINKENDE VERBITTERTE ALTROCKER, JENS! Soll er einfach wieder ins Theater sich verpiszen, oder nachhause gehen und sich einen auf das arte-Nachmittagsprogramm schlackern. Naja, meine Laune könnte besser sein, denk ich mir noch so als die erste Band anfängt. Les Trucs aus was weiß ich wo, wahrscheinlich Berlin. Und die Keyboardfratze kommt vielleicht aus London weil sie da grade ein beschiszenes Schulpraktikum macht. Dämliche Künstler. Ja ich weisz, ich schein was gegen verkünstelte Kacke zu haben. Aber ich check nicht wieso jemand etwas so ausdrückt das es keine Sau kapiert wenn er doch angeblich ach so viel zu sagen hat. Kommt mir jetzt nicht mit Interpretationsfreiraum, da kann man mir nicht mit kommen. Wahrscheinlich aufm Gymnasium schon immer ne eins in deutsch gehabt wa? Während der Show von Les Trucs ist bei mir quasi 30 Minuten Pinkelpause. Ich pisz extra neben das Piszoir um meinem Unmut Ausdruck zu verleihen. Die Pisze suppscht mir schön auf meine Stoffschuhe und vielleicht hab ich ja später noch die Möglichkeit sie Rachut über seinen Rotweinpullen auszuwringen. Gute Aussicht. Zu Les Trucs bleibt zu sagen, das Antitainment schon verdammt groszkotzige halbgevögelte Musik für Leute war, die im Sportunterricht immer als Letzte auf der Bank sitzen blieben. Auch ich wurde zwar nicht so oft gerne in die Mannschaften beim Schulsport gewählt, aber ich hab mir danach wenigstens nicht zu Antitainment in die Hosen gekackt. Les Trucs sind grob runtergebrochen wie Antitainment minus die wenigen ertragbaren Elemente von Antitainment. Einfallslos, nurnoch Keyboards, bisschen Rumgeheule. Nee Nee, nichts für ungut, aber Les Trucs reiszen nun wirklich keinen Zacken aus meiner Krone. Passt ja zu 36748_image_2Oma Hans. An dieser Stelle groszes Lob an das Schrumpfhirn was diese beiden Bands zusammen gebucht hat. Scheisze und Scheisze passt gut zusammen und ergibt einen groszen Haufen. Hat er/sie sehr gut rausgefunden. Damals zuhause aufm Pott. Also der Bahnhofstoilette. Nach 5 Liter Bier und dieser Kackband Les Trucs stiefeln dann endlich Rachuts Augenringe auf die Bühne. Gefolgt von seinen unwichtigen gesichtslosen Mitmusikern. Der weise Poet bewegt sich fort wie ein Bierkrug auf dem Oktoberfest. Es wirkt als würde er auf zwei in ein Dirndl gepresste Quetschtitten hin und her wabbern.“Habt ihr da Bock drauf??“ ruft er durch seine blaugefärbten Rotweinlippen in den fast leeren Raum. Danach schmeiszt er zwei Plektren vor unsere Füsze. Was soll der Scheisz? Auf gehts, langes Intro. Gestartet wird mit dem ersten Song der zu Unrecht so gehypten Platte Peggy. Gähn. Während des stundenlangen Instrumentalparts wirkt Rachut auf der Bühne wie ein Fremdkörper. Wie ein Busfahrerlehrling der während der Fahrt 457 fünf Haltestellen lang dem Busfahrer über die Schulter guckt und versucht sich diese lebensverneinende Tätigkeit irgendwie schön zu reden. Ich beobachte, wie er drei Minuten vor seinem Gesangeinsatz mit Taschenbillard versucht, seine Nutzlosigkeit zu übertünchen. Und dann verpasst er den Einsatz und kommt garnicht mehr klar. Groszen Schluck Rotwein. Zweiter Song fängt an, das Mikro fiept. Es wirkt als würden uns zwei Augenringe anbrüllen in einer undefinierbaren eigens erfunden Doofsprache. Kopfschütteln auch hier in der letzten Reihe. An der Garderobe werden die ersten Jacken zurück verlangt. Rachut erwähnt, das es hinten auch ein paar T-Shirts und Platten zu kaufen gäbe. Ein Trauerspiel würd ich meinen. Hiermit machen sich Oma Hans ganz sicher keine Freunde. Zwar haben sie doch das Tor zur Hölle aufgestoszen und uns Bands wie Turbostaat oder diese vor Arroganz und Belanglosigkeit triefenden Marathonmann beschert. Aber wer soll ihnen dafür bitte dankbar sein? Zeig mir die. Nenn mir nur einen Namen. Rachut weisz anscheinend selber was er damit verbrochen hat. Vorbei all die kühne Unberechenbarkeit und schiere Wut von einst, vorbei das lustige Fischerhütchen. Was bleibt ist ein missverstandener Spinner, der eher an einen Ork oder zumindest einen Tabletop-Rollenspieler der ersten Generation erinnert, als an einen gefeierten Punkpoeten von Anno Dazumal. Nee, mit dieser Reunionshow haben sich Oma Hans nun wirklich keinen Gefallen getan. Als ich vorzeitig den Laden verlasse, höre ich noch dumpf aus dem Bühnenbereich der Halle, wie Rachut nach ein wenig mehr Stimme auf dem Monitor fragt. Ich spucke einen groszen Haufen goldgelber Schlabberrotze in eine Pfütze vor dem Gebäude 9 und sehe zu wie sie im dreckigen Regenwasser untergeht. Und das mein ich nicht nur als Metapher für Oma Hans, ist nämlich wirklich passiert.

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